Stimmungskiller #2

283_Stimmungskiller #2Maaaaann, ey! Erklärt mir mal jemand, wieso Menschen über 10,- € für einen Horrorfilm ausgeben nur um dann 1 1/2 Stunden lang im Kino zu hocken und zu labern. Ich glaube Andy und ich waren die einzigen im Kino die wirklich Bock auf den Film hatten. Alle anderen hatten wohl einfach nix Besseres vor.
Ach so, wir waren übrigens in „Silent Hill Revelations.“ Und nachdem ich mit sehr gemischten Gefühlen in den Film rein- und mit noch gemischtereren Gefühlen wieder rausgegangen bin, hier nun meine (viel zu lange weil leidenschaftliche) Kritik zu „Silent Hill Revelations“ nachdem ich nochmal drüber geschlafen hab:

Pyramid-HeadHandlung:
Info 1: Wer den Film sehen und nicht nur Bahnhof verstehen möchte, der muss zwar nicht zwingend die Spiele gespielt haben aber auf jeden Fall muss man den ersten Silent Hill-Film kennen. „Revelations“ baut gnadenlos darauf auf und erklärt so gut wie nix.
Info 2: Der erste SH-Film folgte dem Plot des ersten Spieles. Die zweite Fortsetzung „Silent Hill 3“ führte die Geschichte des ersten Spiels fort. Folgerichtig basiert nun die Fortsetzung des Filmes auf der Handlung des Spiels „Silent Hill 3“. Soweit klar? Gut!
Problem dabei ist, dass die Macher des ersten Filmes sich bei der Umsetzung der Handlung diverse Freiheiten ließen, nur grob dem Plot folgten und die Story vor allem zum Ende hin stark veränderten. Für sich genommen hatte das super funktioniert. Nun kommt aber diese freche Fortsetzung unter anderer Leitung des Weges und versucht nun, die eigentliche Handlung des Spiels fortzusetzen. Die Art und Weise wie dabei an die veränderte Story des ersten Filmes angeknüpft wird ist mitunter leider etwas lieblos. Ist die etwas holprige Exposition aber erst mal überstanden folgt der Film recht solide der Story der Spielvorlage. Auch wenn manche Charaktere in ihrer Rolle stark verändert wurden oder nur mal kurz auftauchen um mal dagewesen zu sein. Und wieder andere tauchen auf, obwohl man sie nicht wirklich gebraucht hätte und verschwinden genauso schnell wieder.

Stimmung:
Hier kommt nun der Punkt, an dem „SH Rev“ wirklich stark gegenüber des Vorgängers und allgemein der Vorlage abstinkt. In Teil 1 wurde noch die bedrückende, beklemmende Einsamkeit in der sich die Protagonistin befand eingefangen und zwischendurch mit echt haarsträubenden Schockeffeckten und bis dato noch nicht gezeigten Gewaltdarstellungen aufgebrochen. Diese Mischung war genau das, was Silent Hill ausmacht: Einsamkeit und Hölle in ständigem Wechsel. In Teil 2 dagegen herrscht eigentlich pausenlos nur noch Hölle. Die ruhige neblige Version der Stadt ist nur in ein paar kurzen Szenen zu sehen in denen aber der 3D-Nebel mehr ablenkt als alles andere. Setzte der Vorgänger noch auf schleichenden Horror mit gelegentlichen Schockern so ist dieser Film eher wie ein blutverschmierter Axtmörder der schreiend auf einen zustürmt. Auch unschön, zugegeben, aber es ist leider überhaupt nicht gruselig. „Schreiend“ ist in diesem Fall auch das Zauberwort. Alles in dieser Version des dunklen Silent Hill ist unheimlich laut und aufdringlich. Der Horror der Höllenversion von SilentHill wird dem Zuschauer mit mords Kawumm ins Gesicht geklatscht und überfordert den Zuschauer mit voller Absicht. Und das natürlich in 3D.
Leider zieht diese Strategie nicht. Außer, dass es laut ist, verspürt man zu keiner Zeit das Gefühl, hier nicht sein zu wollen. Das Ganze wird noch gekrönt durch die Zugabe von Folterszenen, wie man sie aus Torture-Porn-Machwerken wie „Hostel“ kennt. Abgesehen davon, dass dieser Aspekt so gar nicht in die Welt von Silent Hill passt, war es leider auch noch schlecht geschminkt und unglaubwürdig, sodass nicht mal das genreübliche Grauen vor dem Leiden anderer aufkommt.
Ebenfalls nicht wirklich passen wollten manche der Kreaturen die im Film auftauchen. Es gab ein paar Klassiker wie die „Lying Figure“ und die obligatorischen Krankenschwestern, aber eben auch ein paar neuerfundene Monster. Da wäre zB. das Puppenmonster, das deutlich and den Puppenendgegner aus „Silent Hill Homecoming“ erinnert. Dieses (leider auch noch schlecht gerenderte) Viech war leider ebenfalls in keiner Weise beeindruckend oder gar gruselig – wirkte auch noch unfreiwillig komisch. Auch das finale Endmonster entsprang der Phantasie der Filmemacher und wirkte ebenfalls aufgesetzt und deplatziert.

Fanservice:
So, nach all dem Gemecker jetzt noch ein paar positive Eindrücke, denn ja, die gab es auch. Neben all den Mängeln, die ich grade aufgezählt habe, merkt man dennoch, dass mit Michael J. Bassett ein echter SilentHill-Fan im Regiestuhl saß. Der ganze Streifen ist vollgestopft mit kleinen Anspielungen und Verweisen auf die SilentHill-Spiele, die allesamt sehr schön eingebaut wurden. So greift sich die liebe Heather zur Selbstverteidigung mal eben das obligatorische Stahlrohr, an der Wand des Krankenhauses hängt die original Übersichtskarte und ihre im Wahn entstandenen Monsterkritzeleien entsprechen exakt den Produktionsskizzen der Spiele. Solche kleinen Details lassen das Fanboyherz dann doch höher schlagen und zeigen, dass sich trotz allem mit Liebe um die Vorlage gekümmert wurde. Nur das mit der Atmosphäre, das üben wir noch, Herr Bassett, gell?

Fazit:
Alles in allem muss man sagen, dass der Film leider sehr viel Potenzial verschenkt. Die eine oder andere Szene hätte durchaus das Zeug gehabt, richtig haarsträubend spannend zu werden, was aber leider nicht genutzt wurde. Somit bleiben einem anders als bei Teil 1 wohl keine ikonischen Szenen im Kopf, über die man noch Jahre später sprechen wird. „Silent Hill Revelations“ ist aber keinesfalls ein schlechter Film. Fans der SilentHill-Reihe sollten auf jeden Fall reingehen, wenn auch mit runtergeschraubten Erwartungen. Horrorfans allgemein kriegen ebenfalls was geboten, alleine schon durch die enorme Bildgewalt. Und wer eh nur zum Quatschen ins Kino geht, für den isses eh wurscht, was grade für ein Film läuft!

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9 Antworten zu Stimmungskiller #2

  1. Leander schreibt:

    Abgesehen von WOW was ein Beitrag! 😀 Japp, es gibt nichts schlimmeres als ein mieses Publikum im Kino. Auch toll Szenennacherzähler und Szenenerfrager. Ich gehe echt gerne ins Kino aber man hat manchmal echt miese Tage 😉

  2. DerKeks schreibt:

    Kinoquatscher sind allgemein ätzend. Ich habe echt Verständniss für Leute die eine Szene nicht kapieren und nachfragen müssen um zu verstehen was folgt – kein Ding. Aber was garnicht geht: 7 Mädels die durch die halbe Sitzreihe die Beziehungen ihres näheren Umfelds disskutieren, in allerfeinsten Jugendstildeutsch, also unter strenger Missachtung von Grammatik, und offiziell anerkanntem Wortschatz. Das ganze in einer angemessenen Lautstärke damit man über 7 Plätze hören kann was ganz außen gesagt wird weil der doofe Film so laut ist…
    Ich glaube zwischendurch sind einige rausgegangen um neues Popcorn zum werfen zu kaufen. Das krönendes Finale der knapp 2 Stunden kam dann auch von den Mädels als das Licht wieder anging und man erkennen konnte wie unfassbar viel Popcorn um die herumlag 🙂 „Voll scheiße diese Assis ey gehen die nur ins Kino um mit dem scheiß Popcorn zu werfen ey?!“

    Juhu zweiter (wenn zwischendurch niemand was geschrieben hat *hoff*)

  3. Ratek schreibt:

    Kommissar (mit 2 „m“) 😉

    Wäre übrigens auch ein schöner Strip: Michis Alter Ego, der mit einer Skymaske und Kettensäge (oder von mir aus Silent Hill mässiger mit einem Eisenrohr und Pyramid-Maske) im Kino Amok läuft… da hättest Du dann auch die nötige-fehlende/schummrige Beleuchtung.

  4. Marco schreibt:

    Reden, dumme Kommentare und sogar Mitklatschen bei Filmmusik… das kann einem echt den Filmspaß verderben und rechtfertigt Bisse und Schläge durchaus! 😉

  5. Kim schreibt:

    Teil 1 noch nicht gesehen, also darf ich mir wohl auch den zweiten Teil erst gar nicht anschauen :S

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