Assassin’s Creed – Der Film

assassinscreedEnde letzten Jahres kam mit „Assassin’s Creed“ mal wieder eine Videospieleverfilmung ins Kino. Und wieder ging das Bangen los. Trotz einer berechtigten Skepsis aufgrund all der verkorksten Spiel-Adaptionen der letzten Jahre erlaubte ich mir ein wenig optimistisch zu sein, war der Trailer doch recht hochwertig und der Cast sah auch vielversprechend aus. Auch ist Assassin’s Creed eine Spielreihe, bei der ich schon beim Zocken des allerersten Teils dachte: Mann das sähe auf ner Kinoleinwand bestimmt beeindruckend aus. Was haben wir nun also für einen Film bekommen? Die lang ersehnte perfekte Adaption einer geliebten Spielereihe oder ein weiterer Griff ins Klo? Schaumermal!

Meiner Meinung nach muss eine gute Spiel-zu-Film-Adaption folgende Kriterien erfüllen:

  1. Die Atmosphäre und der Reiz des Spiels müssen eingefangen werden und wichtige Merkmale sollten zumindest am Rande auftauchen, so dass der Fan sich direkt wieder zuhause fühlt.
  2. Die Handlung des Spiels muss vernünftig für das 2 Stunden-Medium Film zusammengefasst oder abgewandelt werden, so dass auch Nicht-Kenner des Stoffs der Geschichte gut folgen können.
  3. Allgemeine Qualitätsstandards wie gute Besetzung, gutes Drehbuch und hochwertige Produktion. Das sollte selbstverständlich sein, aber grade daran mangelt es eben auch oft.

Was die optische Produktionsqualität angeht kann man dem Film wenig vorwerfen. Er ist auf alle Fälle hochwertig produziert und mit Michael Fassbender, Marion Cotillard, Jeremy Irons und Brendon Gleeson erstklassig besetzt.

acm1Was die Adaption von Spiel zu Film angeht haben sich die Macher ein paar Freiheiten erlaubt. Auf der positiven Seite sei auf alle Fälle mal das neue Szenario lobend erwähnt. Da der Film von Ubisoft mitproduziert ist hat man sich entschieden, den Film kanonisch im gleichen Kosmos wie die Spiele anzusiedeln. Demnach entschied man sich mit Spanien zur Zeit der Inquisition für ein Szenario das bislang von keinem der bisherigen Spiele abgedeckt wurde und das vielversprechend wirkte. Auch der Animus – die Maschine die es erlaubt, Erinnerungen längst verstorbener nachzuerleben, hat ein Upgrade erfahren. Die Apparatur kommt nun mit einem Roboterarm daher, der dem Deliquenten erlaubt, auch körperlich das gesehene zu erleben – eine Idee, die ich prinzipiell ganz cool finde und die wohl auch in künftige Assassin’s Creed-Spiele einfließen wird.

Und leider leider muss ich an dieser Stelle auch schon wieder anfangen zu motzen, obwohl der Film einiges richtig macht. Ja, er setzt die Vorlage optisch einigermaßen werkgetreu um und Ja, er baut einiges an Anspielungen ein. Doch versagt Assassin’s Creed – Der Film an einigen maßgeblichen Punkten. Größter Kritikpunkt: Die Handlung des Films ist sterbenslangweilig. Es kommt nicht oft vor, dass ich in einem Film sitze und irgendwann auf die Uhr sehe, aber hier ist es passiert. Der Film versucht Gott sei Dank nicht, die Handlung der bisherigen Spiele zusammenzufassen – was bei 9 Teilen auch Irrsinn wäre. Die Story erklärt das wesentliche um das es geht: Den Animus, die Assassinen, die Templer und deren ewige Fede um die Jagd nach den Edensplittern. Soweit so schlicht. Eine weitere Origin-Story könnte man meinen. Die Handlung wird jedoch sehr wirr erzählt, kommt nicht recht aus dem Quark und ist dabei leider auch noch furchtbar vorhersehbar. Zudem macht es sich der Film zum Teil noch unnötig schwer. So wird zum Beispiel versucht, die Funktionsweise des Animus wissenschaftlich zu erklären – irgendwas mit genetischer Erinnerung oder so. Das klingt selbst für mich als Fan der Reihe völlig schwachsinnig. Die Spiele haben diesen Aspekt bislang dankenswerterweise immer galant ignoriert. Für die Geschichte ist es schlicht nicht wichtig, wie diese Maschine funktioniert sondern nur dass sie funktioniert. Oder wollte schon jemals jemand wissen, wie zum Beispiel die Zeitmaschine in „Zurück in die Zukunft“ funktioniert? Nein! Eben! Und jeder Erklärungsversuch in diese Richtung erhöht nur den Bullshit-Faktor.
acm3Apropos Animus: Dieser kam im Film tatsächlich auch noch zu kurz. Der Reiz eines Assassin’s Creed-Spiels liegt zumindest für mich darin, in das jeweilige historische Setting abzutauchen und die Geschichte in dieser vergangenen Welt zu erleben. Die Rahmengeschichte außerhalb des Animus ist zwar nett, aber nicht mehr als Beiwerk und dient nur dazu, dem Ganzen einen halbwegs logischen Überbau zu verpassen. Und folglich spielen die Assassin’s Creed-Spiele auch zu 99% innerhalb des historischen Settings. Der Film macht den Fehler und erzählt die Geschichte fast ausschließlich außerhalb des Animus – was traditionell der langweiligste Teil der Spiele ist den jeder nur schnell hinter sich bringen will. Wir machen insgesamt 3 Abstecher ins Spanien des 15. Jahrhunderts und erleben dort fast außschließlich furchtbar überinszenierte Actionszenen. Handlung findet dort kaum statt, was es schwer macht, sich mit dem neu etablierten Assassinen-Bruder Aguilar de Nerha anzufreunden. Man verbringt schlicht kaum Zeit mit dieser neuen Figur. Man bekommt im Film dauernd von der Bruderschaft der Assassinen und deren Kredo erzählt, man sieht aber schlicht nichts davon. Die Actionszenen der Assassinen sehen zwar ganz cool aus, sind aber furchtbar hektisch geschnitten und ermüden mit der Zeit das Auge. acm2Und da es in der historischen Welt fast nur Action zu sehen gibt bleibt ein weiterer wichtiger Aspekt der Spielevorlage auf der Strecke: Das Gefühl, dass einem diese komplette Welt zu Füßen liegt. Was sind mitunter die schönsten Momente in jedem Assassin’s Creed? Wenn man zum ersten mal einen hundert Meter hohen Turm empor gekrakselt ist und von dessen Spitze den Blick über die sich unter einem ausbreitende antike Metropole schweifen lässt. Eine solche Szene gibt es im Film zwar auch, aber sie findet innerhalb einer hektischen Verfolgungsjagd statt – man kann den Moment also nicht wirklich genießen. Zum anderen will sich dieses Gefühl von Höhe und Freiheit trotz 3D-Brille nicht einstellen, da die Szene – und eigentlich fast alle Szenen im historischen Setting – von dichtem Rauch oder Nebel eingehüllt ist. Regisseur Justin Kurzel steht wohl sehr auf Rauch, was zwar ein nettes Stilmittel sein kann, aber leider fühlen sich alle Szenen dadurch sehr beengt an da man nie mehr als 3 Meter weit gucken kann. Im Ernst, stellenweise war es in Assassin’s Creed nebliger als in Silent Hill.

ezioUnd zu guter Letzt habe ich den Original Soundtrack vermisst oder zumindest eine Interpretation davon. Über die Musik hätte man ganz easy im Null Komma nix eine gewisse Grundverbindung zur Vorlage herstellen und den Fans eine wohlige nostalgische Gänsehaut bescheren können. Stattdessen hat man sich für eine völlig andere musikalische Richtung entschieden, die zwar für einen Actionfilm prinzipiell brauchbar ist, jedoch keinerlei Verbindung zu etwas historischem erzeugt geschweige denn zu Assassin’s Creed.

Daumen_GutUnterm Strich bleibt mir nur das Fazit, dass wir es hier zwar mit einem hochwertige produzierten Film zu tun haben, der zumindest was die Optik angeht sich sehr gut an seiner Vorlage orientiert, der aber leider wieder einmal den Kern, die Seele des Spiels nicht widerspiegeln kann. Man kann sich den Film durchaus mal anschauen, auf die perfekte Spiel-Adaptionen müssen wir aber leider weiterhin geduldig warten.

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