DmC – Devil May Cry

dmc_teaserUnd tatsächlich schon wieder ein Spiel gespielt dessen Bart noch nicht ganz so lang ist. Diesmal geht es um das Reboot einer Serie, die ich zumindest damals auf der PS2 sehr gerne mochte, auch wenn mich der Schwierigkeitsgrad davon abgehalten hat, es all zu häufig durchzuspielen. Die Rede ist von „Devil May Cry“. Teil 1 der Reihe fand ich damals großartig, zumal ich bis dato noch nie ein Action-Adventure mit einem so abgefahrenen Kampfsystem gesehen hatte. Sich so herrlich übertrieben stylisch mit Schwert und Wummen durch Monsterhorden zu schnetzeln war zu der Zeit noch echt was Neues und hat zumindest in meinem Sprachgebrauch den Begriff „Stylo-Action“ geprägt. Das ganze noch kombiniert mit krassem Gegnerdesign und einem schon übercoolen Dante als Helden war eine echt leckere Mischung. Teil 2 war soweit ich weiß ursprünglich als anderes Spiel gedacht auf das nur nachträglich DMC draufgeklatscht wurde. Dementsprechend mau und uninspiriert war es dann auch. Eine nichtexistente Handlung, aus Teil 1 recycelte Endgegner und eine langweilige Welt trugen dazu bei, dass ich diesen Teil beinahe vollständig vergessen habe. Teil 3 war dann schon wieder wesentlich besser. Allerdings haben sie es da mit der Stylo-Action schon ordentlich übertrieben. Ok, es war ein Prequel, sprich wir sahen einen jüngeren Dante. Trotzdem war er mir in diesem Spiel definitiv zu albern. Ich sage nur: Auf einer Bazooka-Rakete durchs Zimmer surfen. Ja nee is klar!
Teil 4 für die PS3 kenne ich leider nicht. Hat mich irgendwie kalt gelassen. Und vielleicht ist es genau diese Tatsache, dass einem ein Spiel, dass man zuvor gemocht hat plötzlich so egal ist, dass die Macher dazu bewogen hat, die Reihe zu rebooten und nochmal neu aufzurollen.

Dante_RebootAls ich die ersten Bilder des neuen DMC sah, war meine Reaktion wohl die gleiche wie bei den meisten, die die Vorgänger gespielt hatten: „Toll! Dante ist jetzt ein Emo!“ Zugegebenermaßen ist sein neuer Look ein wenig gewöhnungsbedürftig – besonders die Frisur. Der neue Dante wirkt jünger, ein wenig gammliger, abgewrackter und alles in allem weniger anime-mäßig androgyn als sein Alter-Ego. Aber abgesehen von seinem neuen etwas aufgesetzten Rebellen-Image ist Dante irgendwie schon noch der Alte. Er kämpft noch immer mit einem lächerlich großen Schwert und seinen beiden Wummen „Ebony & Ivory“, er vollführt noch immer abgefahrenste Moves und er haut einen platten One-Liner nach dem anderen raus, dass es einem 80er-Jahre-Actionhelden die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Letztere wirken allerdings diesmal noch etwas platter, da DMC zum ersten mal in der Reihe mit deutscher Sprachausgabe kam. Dieses neue rebellische Getue kann man mögen oder nicht, aber letzten Endes hat sich Dante doch kaum verändert.

limbusWas ebenfalls etwas umdesignt wurde ist die gesamte Welt in der DmC spielt. Das Ganze spielt im heutigen London (glaube ich). Allerdings wurde der normalen Welt noch eine Zwischenwelt – der sogenannte Limbus – hinzugefügt. Fast das gesamte Spiel findet in dieser abgedrehten Zwischenwelt statt in der die Gesetze der Physik nur grobe Richtlinien zu sein scheinen. Das ist gleichzeitig ein super Vorwand für die Entwickler, Dante die abgedrehtesten Aktionen und Sprünge durchführen zu lassen ohne dass es dem Spieler jedesmal ein ungläubiges Kopfschütteln entlockt. Im Limbus verzeiht man unrealistische Aktionen wesentlich besser.
Was mich in diesem Zusammenhang bisweilen echt beeindruckt hat ist das Design der einzelnen Level. Diese unterscheiden sich krass von den Vorgängerspielen und werden sicherlich genau wie Dantes neuer Look die Geister scheiden. So schnetzelt sich Dante mitunter durch eine Fabrikhalle mit verkorkster Schwerkraft, kämpft sich einen spiegelverkehrten Turm nach oben (oder eben nach unten) oder findet sich in mitten in einer Art TRON-mäßig computeranimierten Musikvideo wieder während er die bossDämonenhorden zu wummerndem Dubstep-Sound verdrischt. Wie gesagt ist das sicherlich Geschmackssache, aber ich fand das abgedrehte Leveldesign sehr erfrischend. Ähnlich krass wie das Leveldesign ist das Design der Endbosse. Von „abgedreht“ bis „unfassbar eklig“ ist alles dabei.

messagesWas ich ebenfalls nett fand sind die „satanischen Botschaften“, die im Limbus überall zu lesen sind: „Gehorche!“, „Konsumiere!“ oder „Unterwirf Dich!“ prangt überall in riesigen Leuchtbuchstaben von den Wänden. Diese Idee ist allerdings geklaut. Wer schon mal den John Carpenter-Film „Sie leben“ gesehen hat der wird das sicher wiedererkennen. Trotzdem netter Effekt.

Die Grafik generell ist leider nicht oberer PS3-Standard. Was negativ auffällt sind Spiegelungen und Schatten. Diese sehen leider sehr veraltet aus. Jede Nahaufnahe der Charaktere wird immer ein wenig versaut durch störende frizzelige Schatten in den Gesichtern. Das geht heutzutage definitiv schöner. Abgesehen davon ist die Grafik sehr sehenswert. Auch die Musik macht gut was her, vor allem in Kämpfen. Monster zu Heavy Metal verdreschen kommt einfach immernoch gut.

clubApropos Monster verdreschen: Das Kamfsystem in DmC ist so eine Sache für sich. Es ist eigentlich nicht schlecht, braucht aber schon etwas Eingewöhnung.
Dante hat in seiner Funktion als Nephilim (halb Engel, halb Teufel) 3 verschiedene Kampfmodi. Den normalen Modus in dem er mit Schwert und Knarren kämpft, den Engels- und den Teufelsmodus in denen er jeweils noch zwei verschiedene Schlagwaffen sowie je einen Enterhaken hat. Zwischen diesen Modi kann man on the fly durch Druck auf die L1- bzw R1 Tasten wechseln. Insgesamt kommt man zuletzt auf 5 verschiedene Schlagwaffen, 3 verschiedene Schusswaffen und zwei Enterhaken mit jeweils unterschiedlichen Moves und Kombos. Das klingt zunächst recht unübersichtlich – ist es auch. Aber nach etwas Übung kann man mit all dem Gerät ein spektakulöses Kombo-Feuerwerk vom Zaun brechen. Man sollte allerdings zwischen zwei Spiel-Sessions nicht all zu viel Zeit verstreichen lassen, weil man das Gefühl für das Kampfsystem recht schnell wieder verliert. Was insbesondere dann doof ist, wenn man direkt vor einem dicken Kampf wieder ins Spiel einsteigt und dann erst mal wieder rausfinden muss, wie nochmal alles funktioniert. Vielleicht bin ich aber einfach zu schlecht, wer weiß. dmc-fightAber alles in allem kann ich sagen, dass DmC deutlich leichter ist als seine bockschwere Vorlage. Die berühmte gelbe Continue-Kugel, die es in den alten DmC-Teilen schon gab, kam bei mir nicht einmal zum Einsatz. Dafür gibt es insgesamt 6 verschiedene Schwierigkeitsgrade – unter anderem einen One-Hit-Kill-Modus für die ganz Harten.

Die Handlung wird sicher keinen Originalitäspreis gewinnen, wird aber nett erzählt. Kenner des alten Devil May Cry werden sowieso so manches wiedererkennen, was für die neue Version wieder benutzt wurde. Schade ist, dass zu Anfang des Spiels diverse Andeutungen auf Dantes Vergangenheit gemacht werden, auf die im späteren Spielverlauf kaum noch Bezug genommen wird. Schade, denn dadurch geht viel Potenzial flöten, Dante weniger platt erscheinen zu lassen. Aber vielleicht wollte man sich das für spätere Teile aufheben.

Fazit:
Dante_jumpDer erste Eindruck täuscht. Ich mochte DmC sehr gerne. Es hat seine Schwächen wie eine nicht ganz zeitgemäße Grafik, ein zunächst etwas sperriges Kampfsystem und einen schmerzhaft platte Sprüche klopfenden Rotzlöffel-Dante. Aber was mich angeht hat das krasse Leveldesign, die ekligen Endgegener, der neue Look und das Kampfsystem (wenn an es mal drauf hat) das alles rausgerissen. Viele Ideen sind offensichtlich geklaut, fügen sich aber gut zusammen. Es gibt sicher rundere Action-Adventures, aber DmC ist auf jeden Fall spielenswert. Ich mag den neuen Look und bin durchaus gespannt auf weitere Teile in diesem neuen Universum. Wer also Stylo-Action-Adventures mag und seinen Schock über den neuen Dante überwinden kann, der sollte durchaus mal reinschauen.

2 Antworten zu DmC – Devil May Cry

  1. Pingback: Squareheads – Dante | Sachen gibt's…?! – Comicblog von Michael Roos

  2. Karsten schreibt:

    Ich habe mir gestern wenigstens mal die Demo runtergeladen und bin sehr positiv angetan. Lediglich die Steuerung scheint mir arg überladen. Vor allem die an sich doch identischen Dämonen- und Engels-Greifhaken-Aktionen haben bei mir den Spielfluss gebremst. Und dann gibt’s da noch diesen dämonischen Zustand, in dem dann noch mal alles ganz anders ist … Trotzdem sehr schnieke, das Ganze.

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