Evil Dead

Evil_Dead_PosterIch war wieder im Kino und zwar in „Evil Dead“, einem Film, der jetzt nicht mehr der ganz heiße Scheiß ist und den ich eigentlich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte. Dennoch fühle ich mich genötigt, etwas darüber zu schreiben. Denn dieser Film hat etwas geschafft, dass mir zuvor erst einmal im Kino passiert ist. Aber davon gleich mehr.
Evil Dead ist das Remake des Klassikers von 1981 „The Evil Dead“ (dt. „Tanz der Teufel“). Die Handlung beider Filme ist in etwa gleich: Ein paar junge Leute ziehen für ein paar Tage in eine Blockhütte im Wald. Im Keller finden sie ein altes Buch – das Nekronomikon – lesen laut draus vor und erwecken so einen Dämon. Dieser ergreift gleich mal von einem der Mädels Besitz und meuchelt nach und nach die gesamte Bande nieder bzw. macht sie ebenfalls zu zombiesken Wiedergängern. Einzig nennenswerter Unterschied in der neuen Fassung was die Handlung betrifft ist der Grund der Clique für ihren Aufenthalt in dieser Hütte. Wollten sie ’81 nur ein Wochenende Party machen, so unternehmen sie 2013 diesen Trip, um einer der ihren zu helfen, ihr Drogenproblem zu lösen und ihr beim kalten Entzug zur Seite zu stehen. Die gute (Jane Levy) leidet von Beginn des Films an unter Entzugserscheinungen, weswegen den anderen nicht gleich auffällt, dass sie sich zu verändern beginnt. Lobend erwähnen muss ich an dieser Stelle Jane Levys irren Blick, den sie in diesem Zustand zur Schau stellt. Sie hat es echt geschafft, nur durch Augenaufreißen ohne Makeup eine ordentliche Gänsehaut zu erzeugen. Hoffentlich darf sie diese Fähigkeit noch in anderen Filmen zur Schau stellen.
DämoninAuf diese Art wird zumindest zu Beginn des Films ordentlich Spannung geschürt. Ich sage zu Beginn, denn sobald die Junky-Braut vollends verzombifiziert ist schlägt die Stimmung des Films völlig um und der Gewaltgrad schießt mit Karacho durch die Decke. Die mühsam aufgebaute Gruselstimmung weicht ab da einer Splatter- und Verstümmelungsorgie, die sich gewaschen hat. Das hat es Teppichmesser in Zungen, Spritzen in Augen, Messer in Gesichtern … und das sind nur die Sachen die man im Trailer sieht. Die Darstellung und die Art der Verstümmelungen die die Besessenen sich gegenseitig antun ist derart explizit und brachial inszeniert, dass es einen erschlägt. Da wird nichts dem Zufall und schon gar nicht der Vorstellungskraft der Zuschauer überlassen. Die Kamera hält voll drauf und bringt den Zuschauer in den Genuss ungeschönter Amputation.
schmodderUnd da kam dann der Moment, an dem das passierte, was bei mir echt nicht oft vorkommt. Vielleicht war auch das zuvor konsumierte Bier dran schuld oder ich bin einfach nur ein Weichei, aber mir drehte sich an dieser Stelle der Magen um und ich musste das Kino verlassen um nicht meinem Vordermann in den Nacken zu kübeln. Albern ich weiß, aber es ging nicht mehr. Wenigsten hab ich jetzt die Gewissheit, dass meine Spiegelneurone noch einwandfrei arbeiten. Aus diesem Grund kann ich das letzte Drittel des Films nur aus kurzen Teilen zusammen mit meiner Vorstellungskraft rekonstruieren. Aber das Ende bietet dann wohl weder für Neulinge noch für Kenner des Originals spektakulär Neues also hab ich wohl nicht viel verpasst.
Was man dem Film zu Gute halten muss ist, dass das ganze Gemetzgere ohne größere CGI-Effekte inszeniert, sondern alles schön oldschool mit Kunstblut, Maske und literweise Gekröse, Sabsch und Schmodder handgebastelt wurde. Dafür ein dickes Plus, denn reales Blut wirkt immernoch um einiges besser als jede Computeranimation.
Doch trotz liebevoll handgemachtem Massaker gab es dann doch ein paar Dinge, die mich immer wieder aus der krassen Atmosphäre rausgerissen haben. Da wären zunächst die Augen der Dämonen. Erzeugte die gute Jane Levy zu Beginn des Films noch allein durch ihren irren Blick noch völlig makeuplos eine Gänsehaut, so wurden ihr als Dämonin zusammen mit schmoddereskem Makeup auch noch leuchtend orange und dadurch leider unecht wirkende Kontaktlinsen nebst Glow-Effekt verpasst. Das passte meiner Meinung nach so gar nicht zum generell sehr dreckigen Look des Ganzen und leuchtende Augen wirkten wohl auch zuletzt in den 50ern gruselig. Was ebenfalls unfreiwillig komisch wirkte, war die Art, wie die Dämonen-Trulla ihren Bruder beschimpft. In bester „Exorzist“-Manier fängt sie irgendwann an, wüste Beschimpfungen gegen ihre Freunde auszustoßen. Aber irgendwie wirkt es schon sehr lahm, wenn die Teufelsdame mit verzerrter Stimme anstatt *****, **** oder ************ Ausdrücke wie „du Vollidiot“ benutzt. Scheint mir eine vergleichsweise wohlerzogene Teufeline zu sein.
Eric1Und zu guter Letzt auf der Liste der Stimmungskiller steht die Art und Weise, wie das Böse geweckt wird. Kurzer aber notwendiger Vergleich zum Original: Da wurde das Nekronomikon einfach gefunden zusammen lediglich mit einer Warnung auf Tonband und die Jungs und Mädels lesen entgegen dieser Warnung laut draus vor weil sie es für cool und abgefahren halten. Auch nicht clever aber nachvollziehbar. In der neuen Fassung finden sie das Buch in einem blutverkrusteten Keller, der voller toter Katzen und allerlei anderem voodooeskem Gelumpe hängt und in dem offenbar unlängst ein Mensch verbrannt wurde, in Stacheldraht verpackt neben einer geladenen Schrotflinte und vollgekritzelt mit „Nicht öffnen, nicht vorlesen“-Warnungen. Und der Nerd im Team hat nix Besseres zu tun als im stillen Kämmerlein die geheimen Botschaften zu enträtseln und mutterseelenallein laut vor sich hin zu brabbeln. Mal ehrlich: Wann habt ihr zuletzt Sachen aus einem Buch,vor allem ein unter solchen Umständen gefundenes, alleine laut vor euch hin gelesen?
Unterm Strich fand ich den Film aber gar nicht mal schlecht. Das Gemetzel ist beeindruckend inszeniert und lässt den Zuschauer ab der Hälfte des Films keine Sekunde mehr zu Atem kommen. Leider ist das auch alles was der Film zu bieten hat. Die Handlung ist zu keiner Sekunde überraschend, die Schauspieler sind Durchschnitt und gruselig ist der Film auch nur in der ersten halben Stunde. „Evil Dead“ überzeugt ausschließlich durch seinen krassen Gewaltgrad und die gut inszenierten Splattereffekte. Wer also genau das sehen möchte, der sollte noch in „Evil Dead“ gehen. Wer’s Daumen_Sehenswertallerdings etwas subtiler mag und einen empfindlichen Magen hat dem kann ich davon nur abraten.

Alle verwendeten Screenshots entstammen der offiziellen deutschen Website zum Film, sowie IMDb.
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Eine Antwort zu Evil Dead

  1. Akira schreibt:

    He Du hast den Blutregen am Ende verpaßt 😉

Senf hier dazugeben!

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