God of War – Ascension

Endlich habe ich mal ein Spiel durch, dass einigermaßen als aktuell durchgeht und über dass zu schreiben sich noch lohnt und dass vielleicht noch nicht bei jedem im Regal Staub gefangen hat. Die Rede ist von „God of War – Ascension“.

GoW-AZunächst einmal sei gesagt, dass ich großer großer großer God of War-Fan bin und bisher noch jeden der 5 erschienen Teile, ob für PS2, PSP (bzw PS3-HD) oder PS3 gekauft und mit Freude durchgerockt habe. Für mich bietet dieses Franchise eine perfekte Mischung: Die griechische Mythologie, die ich sehr spannend finde und die mit filmischen Machwerken wie „Zorn der Titanen“ ja nur unzureichend wiedergegeben wird, ein absolut butterweiches Kampfsystem das nach 10 Sekunden Spielzeit schon in Fleisch und Blut übergeht, eine absolut bombastische Inszenierung und ein Welten- und Charakterdesign, das seinesgleichen sucht. Für mich sind die God of War-Spiele ganz oben auf meiner Top-Spieleliste. Doch bei „God of War – Ascension“, dem sechsten Teil der Reihe habe ich leider leider zum ersten Mal seit Erscheinen des ersten GoW einiges zu meckern. (Ich rede jetzt nur von der Kampagne da ich den neuen Multiplayermodus noch nicht getestet habe.)

KratosAber zunächst mal das Positive:
GoW-A ist, wie man es von der Reihe gewohnt ist, wieder absolut bombastisch inszeniert. Mehr als einmal habe ich den richtigen Moment zum Reagieren verpennt, weil mich das Spektakel auf dem Bildschirm gefesselt hatte. Das Spielgefühl blieb ebenfalls nahezu gleich, obwohl für diesen Teil diverse altvertraute Tastenbelegungen oder Kombos abgeändert wurden, was zumindest ein bißchen Umgewöhnung verlangt. Das Design der Welt und das der Charaktere und Monster ist wieder großartig, auch wenn letztere mittlerweile etwas generisch wirken, aber dazu später mehr. Alles in Allem ist es also GoW wie man es kennt und liebt, obwohl böse Zungen nicht ganz zu unrecht behaupten, es sei nur „more of the same“.

Wenn man sich die bisherigen 5 Teile anschaut, dann fällt auf, dass die beiden für die PSP erschienenen Prequels „Chains of Olympus“ und „Ghost of Sparta“ zwar solide GoW-Teile sind, aber dass sie zumindest in Sachen Spiellänge und Spieltiefe den drei Teilen der Haupttrilogie etwas hinterherhinken. Auch die Handlung ist zwar gut und fügt sich gut an die Trilogie an, ist aber, wie so viele Prequels komplett ausklammerbar, da sie nur wenig Neues in die Geschichte mit einbringen darf. Und genau dieses Problem hat GoW-A auch. Die Geschichte (spoilerfrei) siedelt irgendwo zwischen den PSP-Prequels und GoW 1. Kratos wurde bereits zum Geist Spartas, hat aber noch nicht mit seinem Gebieter und Kriegsgott Ares abgerechnet sondern versucht zunächst, den Eid, den er mit Ares geschlossen hat, irgendwie zu umgehen. Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt: Zunächst wird man ohne große Erklärung in die Action geworfen und hat erstmal keinen Plan, was abgeht. Das Ganze wird dann durch diverse lange Flashbacks unterbrochen, in denen man Kratos in der Vergangenheit steuert und erfährt, wie er dahin kam wo er jetzt ist. Diese Erzählstruktur ist zwar mal was anderes, hat aber das Problem, dass man die GOWA-MagaeraFuryersten paar Stunden des ohnehin nicht sehr langen Spiels so gar nix rafft und oftmals durch zwar sehr schön gestaltete Areale rennt und noch schöner gestaltete Monster abmurkst ohne aber wirklich zu wissen, was man hier eigentlich will.
Ein anderes Problem daran, dass die Handlung vor GoW1 spielt ist, dass weder Götter noch Titanen als Widersacher in Frage kommen, da Kratos erst ab Teil 1 anfängt, sich mit denen anzulegen. Als Ersatz wurden die Furien herangezogen. Diese sind wohl auch irgendwas gottähnliches, sehen ebenfalls ganz cool aus, machen aber lange nicht so viel Eindruck wie ein Zeus, Poseidon, Ares oder Hades.
JaggernautWas ebenfalls auffällt ist, dass den Entwicklern nun wohl endgültig die Mythenwesen ausgehen. So kommt es in GoW-A vor, dass man neben den altbekannten Gegnern wie Medusen, Harpien, Cerberi und Satyren mal einem Elefantenminotaurus (oder wie auch immer man einen aufrechtgehenden Dickhäuter nennen möchte*) oder einem stinknormalen Drachen** begegnet, die sich doch eher widerwillig in die griechische Mythologie eingliedern lassen.
(*“Jaggernaut“ laut offizieller Website
**Es sind Mantikore – mein Fehler. Sehen aber schon sehr drachig aus.) Das sind aber zugegebenermaßen Geschmacksfragen, denn cool aussehen tun sie allemal.

Ebenfalls Geschmackssache ist die neue deutsche Synchronstimme von Kratos. Kein Schimmer, warum nach 5 Teilen auf einmal der Sprecher ausgewechselt wurde, aber der alte gefiel mir persönlich besser. Das fällt aber nicht so furchtbar ins Gewicht, da Kratos in diesem Spiel sowieso recht schweigsam und für seine Verhältnisse recht introvertiert ist. Dennoch stört es mich immer ein wenig, wenn mitten in einer Reihe plötzlich der Hauptcharakter anders klingt. Wer mal „Stirb langsam 3“ geschaut hat kennt das.
Apropos sterben: Was ebenfalls anders ist – oder zumindest fühlte es sich so an – ist der Schwierigkeitsgrad. Konnte man sich in den vorherigen GoW-Teilen mit Kratos noch durch kreatives bis chaotisches Knöpfchengedresche durch die Monsterhorden fräsen, so wird es einem on GoW-A deutlich schwerer gemacht. Selbst die normalen Standardgegner können einem übel den Spartanerhintern aufreißen, wenn man nicht aufpasst. Auch die Menge an heilendem grünen Geleuchts das man im Kampf aus den Gegnern rauskloppt wurde deutlich reduziert und macht so so manchen Kampf zur Durchhalteprüfung. Aber den erhöhten Anspruch beim Kämpfen würde ich jetzt nicht als Negativpunkt sehen – eher als erfrischende Neuerung – auch wenn der ein oder andere Kampf gegen Ende des Spiels schon ins Unfaire lappt.

SP_023Eine Sache aber gibt es, die kann man beim besten willen nicht schönreden: Die unsichtbaren Wände! Überall unsichtbare Wände! Und zwar nicht die, die den begehbaren Bereich eingrenzen. Die gibt es zwar auch, aber an die hat man sich ja mittlerweile gewöhnt, auch wenn das heutzutage schöner geht. Was es in GoW-A aber des Öfteren gibt sind unsichtbare Barrieren, die einen schlicht und einfach daran hindern, dahin zurück zu gehen wo man herkam. So betritt man Beispielsweise einen Raum, und die zum Betrachter zeigende Eingangstür ist fortan durch eine unsichtbare Wand vermauert, die es unmöglich macht, den Weg zu Erkundungszwecken zurückzugehen, um noch eventuelle verpasste Items abzustauben oder Ähnliches. Man fühlt sich unangenehm an frühe SuperMario-Zeiten erinnert, in der der Bildschirm auch stets immer nur nach rechts scrollen konnte und was links aus dem Bild verschwand war für immer unerreichbar. Und so passierte es mir auch in GoW-A des öfteren, dass so mache Truhe ungeöffnet bleib, weil das Spiel mir durch unsichtbare Wände nicht gestattete nochmal zurückzugehen. Sowas wirkt rückständig und ginge definitiv schöner!

Alles in allem hatte ich aber mit „God of War – Ascension“ meinen Spaß, auch wenn dieser mit ca. 8-10 Spielstunden durchaus länger hätte dauern können. Trotzdem bereue ich nicht, es gekauft zu haben. Leider kann GoW-A in Sachen Eindruck nicht mit den Teilen 1-3 mithalten. Sogar jetzt direkt nach dem Durchspielen ist mir weniger Denkwürdiges in Erinnerung geblieben als aus Teil 3. Das Prequel fügt einfach nicht genug Neues mehr zum Gesamtbild hinzu. Das mag natürlich daran liegen, das Kratos mittlerweile so ziemlich alles weggemessert hat, was die griechische Mythenwelt an interessanten Figuren hergab.
Letztendlich machen sich nun doch deutliche Abnutzungserscheinungen bemerkbar, weswegen ich nicht sicher bin, ob ich wirklich noch einen weiteren Teil der Reihe haben möchte. Immerhin hat das Original „God of War“ nun schon mehr Prequels als Nachfolgeteile. Kratos‘ Geschichte fand mit Teil 3 ein großartiges Ende. Die Entwickler können also nur weitere Prequels machen, was die Geschichte weiter verwässern würde oder sie müßten die Handlung von Teil 3 weiterführen, was mit ziemlicher Sicherheit das großartige Finale der Trilogie ruinierte.

gowascesnsion_screens_chainedintro_720Vielleicht wird es wirklich Zeit, die God of War-Reihe langsam in Ruhe zu lassen. Kratos, du hast deine Rache bekommen und es war toll. Von mir aus darfst du deine Klingen jetzt an den Nagel hängen, so lange sie noch scharf sind.

Alle verwendeten Screenshots und Artworks entstammen der offiziellen „God of War-Ascensions“-Webseite.

Eine Antwort zu God of War – Ascension

  1. Pingback: Squareheads: Kratos | Sachen gibt's…?! – Comicblog von Michael Roos

Senf hier dazugeben!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s