Sin City – A Dame to kill for

sin-city-2-posterAhhh, nach alle den Jahren endlich wieder Sin City! Was hat mich der erste Teil damals geflasht. Der ungewöhnliche Schwarz-Weiß-Film-Noir-Stil mit den Farbakzenten, die herrlich übertrieben markigen Sprüche, die wunderbare Vielfalt an Antihelden jeglicher Bauart, die völlig übertriebene Gewalt, die großartig inszenierten Bilder gepaart mit der enormen Treue zur original Comicvorlage. Das alles ergab einen Mix, der mir sowohl im Film als auch als Comic extrem gut gefallen hat. Frank Miller und Robert Rodrigez hatten es geschafft eine echt geile Comic-Vertfilmung ins Kino zu bringen.

Und jetzt nach 9 langen Jahren des Wartens läuft endlich der zweite Teil im Kino: „Sin City 2 – A Dame to kill for“ – so der volle Titel. Und wie in Kinofortsetzungen üblich erwartete ich nun mehr von allem: Mehr Blut, mehr Sex, mehr Gewalt, mehr zwilichtige Gestalten, mehr hanebüchene Action und generell mehr Frank Millerschen Wahnsinn. Und ob der zweite Teil diese Erwartungen erfüllen konnte, das klären wir jetzt.

Um besser über den Film sprechen zu können werde ich aber zumindest Teil 1 als bekannt voraussetzen. Wer den noch gucken und nicht gespoilt werden möchte, der sollte am besten hier aufhören zu lesen! …… Noch da? Ok!

MarvSin City 2 ist genau wie sein Vorgänger wieder episodisch aufgebaut und folgt keiner chronologischen Reihenfolge. Die einzelnen Geschichten springen demnach munter zwischen den Zeiten hin und her. Dieser Umstand lässt praktischerweise das Wiederauftauchen von in Teil 1 bereits verstorbenen Charakteren zu. So sehen wir also Mickey Rourge als sympathische Ein-Mann-Armee Marv wieder und auch der alte Haudegen Hartigan aka Bruce Willis hat wieder eine kleine Rolle. Auch Dwight ist wieder Dwightmit von der Partie – diesmal allerdings gespielt von Josh Brolin, der ja derzeit alles spielt, was nicht schnell genug wegrennt. Warum es bei dieser Rolle eine so krasse Umbesetzung gab, wurde Dwight doch im ersten Teil noch von Clive Owen verkörpert, wird allerdings im Rahmen der Geschichte klar.

AvaDwights Geschichte um die namensgebende „Dame to kill for“ namens Ava Lord, gespielt von der die meiste Zeit nackich seienden Eva Green, bildet den Kern des Films. Die Geschichte ist gleichzeitig auch die interessanteste derer aus denen sich der Film zusammensetzt – und das, obwohl auch sie nicht unbedingt das ist, was man als beeindruckend bezeichnen kann. Immerhin versteht Eva Green es mit oder ohne Klamotten eine wunderbar verruchte Fame Fatale zu mimen, die nicht nur Josh Brolin sondern auch alles andere um sie herum was zwei Eier hat in ihren Bann zieht und für ihre Zwecke mißbraucht.

Immer in ihrer Nähe befindet sich ihr unbezwingbarer Leibwächter Manute. Auch diese Rolle hat leider eine Umbesetzung erfahren und wird nun von Dennis Haysbert gespielt. Das hat aber den simplen und traurigen Grund, dass Manutes vorheriger Schauspieler Michael Clarke Duncan vor einiger Zeit verstorben ist. Doppelt traurig ist, dass Manute in diesem Film tatsächlich etwas Action bekommt, was mit Clarke Duncans hühnenhafter Statur sicher noch beeindruckender gewesen wäre.

Auch wenn Eva Green und Josh Brolin eine gute Performance abliefern, so vermag die Geschichte um die „Dame für die man töten würde“ nicht so recht zu fesseln. Und wenn das schon die beste der Geschichten war, wie mögen dann die anderen sein? Tja und nachdem ich es jetzt schon leicht angedeutet habe kommen wir zur harten Wahrheit über den Film: Sin City 2 ist leider gähnend langweilig. Man mag es nach dem unfassbaren Vorgänger kaum glauben, aber in Teil 2 kommt zu keinem Zeitpunkt so etwas wie Spannung oder Spaß auf.

SinCity2

Man merkt leider deutlich, dass Frank Miller sich die besten seiner Sin City-Stories schon für den ersten Film rausgepickt hatte. Für den zweiten hatte er eigens 2 weitere Geschichten geschrieben, die nicht in den Comics vorkamen. Die einzige weitere Originalgeschichte um Marv dient dem Film allenfalls als Warmup. Was die neuen Kapitel angeht so glänzen die leider mit einer dicken Portion Belanglosigkeit. Da gäbe es die Geschichte um den arroganten Glücksspieler John – gespielt vom keinesfalls untalentierten Joseph Gordon-JohnLewitt – die durchaus ganz packend beginnt, aber leider unfassbar lahm endet. So als wäre Miller auf den letzten Seiten aufgefallen, das er ja morgen das Drehbuch abgeben und außerdem noch Wäsche waschen und seine Steuererklärung machen muss. Ein so liebloses Ende einer durchaus vielversprechenden Geschichte hinterlässt bei mir immer einen faden Beigeschmack. Und dann wäre da noch die Geschichte um Nancy – wieder einmal gespielt von der brachial sexy in Szene gesetzten Jessica Alba. Nachdem Die gute Nancy über die Dauer des Films gefühlte 90 mal auf der Bühne GoGo-Tanzen darf- denn strippen tut sie ja nicht – wendet sich der Film gegen Ende dann auch ihrer Geschichte zu. Und diese letzte Story ist es, die mir den Film letztendlich wirklich sauer aufstoßen lässt. Die anderen Geschichten sind zwar leider lahm, aber sie tun nicht weiter weh. Man vergisst sie halt. Aber die Nancy-Geschichte tut etwas für eine Fortsetzung unverzeihliches: Sie schadet dem Original!

NancyErinnern wir uns: In Sin City 1 geht der alte Haudegen Hartigan durch die Hölle um die damals noch kleine Nancy zu beschützen. Er wird verprügelt, krankehausreif geschossen, jahrelang eingeknastet und gleichzeitig gefoltert. All das erträgt er, damit es der kleinen Nancy gut geht und opfert sich schließlich selbst um alle Spuren die den korrupten Senator Roark zu ihr führen könnten zu tilgen – all das gekrönt von einem meiner Lieblingszitate des Films: „Ein alter Mann stirbt – ein junges Mädchen lebt – fairer Tausch.“ Aber Nein! Nun kommt Teil 2. Und was macht die olle Nancy? Anstatt den Ball flach zu halten und sich ihres mehr als teuer erkauften Lebens zu erfreuen startet sie einen völlig unnötigen Rachefeldzug gegen den Senator um Hartigan zu rächen. Sie begibt sich also freiwillig und völlig unnötig in Lebensgefahr, was all das was Hartigan für sie durchgestanden hat völlig ad absurdum führt. Man merkt auch an dieser Geschichte deutlich, dass sie dem Sin City-Kanon nachträglich angefügt wurde. Das Ganze passt einfach nicht und macht die durchaus packende Originalgeschichte mitsamt Nabcys Charakter kaputt.

mihoUnd um das Ganze noch zu zementieren ziehen auch die anderen Aspekte des Films nicht. Es gibt wieder alles was es im ersten Film auch gab: Jede Menge überdrehte Action, literweise weißes Blut, Verfolgungsjagden…etc. Doch aus irgendeinem Grund kommt der Film selbst in den Actionszenen nicht aus dem Quark und schafft es nicht, den Zuschauer zu packen. Dazu kommt, dass der typische Sin City-Look – schwarz-weiß, hoher Kontrast mit einzelnen Farbakzenten und flächig schwarzweißen Silluetten ebenfalls igrendwie nicht mehr so richtig zieht. Ganz im Gegenteil schafft dieser Look sogar einige Probleme: Denn im Gegensatz zu 2005 leben wir heute im Zeitalter von HighDefinition und 3D-Filmen. Und in solchen wirken die weißen Silluetten, die ein Markenzeichen der Sin City-Filme sind irgendwie seltsam. Was zuvor einen interessanten Mix zwischen Comic-Look und Film geschaffen hatte wirkt in 3D nur, als hätte jemand mit weißer Farbe die Schauspieler angepinselt. Das flächige comichafte und das 3D-gedrehte Filmmaterial wollen leider so gar nicht miteinander harmonieren.

Tja, was soll ich da noch sagen? Als Fan von Sin City kann ich leider nur sagen dass „A Dame to kill for“ die lange Wartezeit von 9 Jahren nicht gelohnt hat. Dafür ist es einfach zu lieb- und belanglos um einen wirklich vom Hocker zu hauen oder gar – was man von einer Daumen_SchrottFortsetzung ja erwarten würde – den ersten teil zu toppen. War der erste Teil noch vollgestopft mit iconischen Szenen, so habe ich von Teil 2 nach nur einer Woche fast alles wieder vergessen. Wer unbedingt mehr SinCity sehen will, der schaut sich am besten nochmal den ersten an – kann man immer wieder gucken. Einen Kinobesuch für den zweiten Teil kann ich leider nicht empfehlen.

Diesen Text gibt es übrigens in gekürzter aber dafür gesprochener Form im Rahmen meines Gastauftrittes in der Oktoberausgabe von „Radio Zoggerbude„!

Alle Screenshots entstammen der offiziellen Seite zum Film.
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