Star Wars – Ep. VII – Das Erwachen der Macht

StarWars7PosterSo, jetzt hab auch ich endlich den neuen StarWars gesehen und welcher Film würde sich mehr anbieten einmal mehr den MovieSquare zu reaktivieren als dieser. Auch wenn die ganze Filmwelt dieser Tage über nichts anderes redet: Hier sind meine 3 Credits zu „StarWars – Episode 7: Das Erwachen der Macht“!

Zunächst mal ein ganz kurzer Abriss meiner bisherigen Erfahrungen mit StarWars um gleich zu klären, mit welchem Vorwissen und Ansprüchen ich in den Film gegangen bin: Meine Erfahrungen beschränken sich auschließlich auf die bisherigen Filme – sprich Episode 1-6 + die eine oder andere Folge „Clone Wars“. Darüber hinaus habe ich weder Spiele noch Romane noch sonst was dazu konsumiert. Da die Chronologie der StarWars-Filme recht wirr ist werde ich sie für dieses Review einteilen in die alte Trilogie (Ep. 4-6), die mittlere Trilogie (Ep. 1-3) und die neue bzw. den neuen Film.

Wie die meisten der „älteren“ habe auch ich die erste StarWars-Trilogie als Kind gesehen, bin mit diesen 3 Filmen aufgewachsen und habe sie jeweils alle schon mindestens 10-20 mal gesehen. Ich trage also wie so viele eine fest verwachsene rosarote Nostalgiebrille. Dennoch bin ich durchaus in der Lage, in diesen Meisterwerken diverse größere und kleinere Schönheitsfehler zu sehen, die man als Fan aber nur all zu gerne ignoriert bzw. mittlerweile sogar lieben gelernt hat.

Dann kam die mittlere Trilogie über deren Qualität man ja mittlerweile eigentlich nix mehr sagen muss, aber dennoch irgendwie nicht müde wird, sich drüber aufzuregen. Aber auch da hat die rosa Nostalgiebrille damals funktioniert – zumindest in so fern, dass ich anfangs immer recht zufrieden aus jeder neuen Episode kam und sich erst im Nachhinein so langsam die Erkenntnis durchsetzte, was ich da für einen Mist gesehen hatte. Zwar wurde es von Episode zu Episode immer etwas besser, aber besser als scheiße ist noch lange nicht gut. Nach Episode 3 hatte ich das Thema StarWars jedenfalls weitgehend abgehakt.

Star Wars: The Force Awakens Ph: Film Frame © 2014 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved..

Star Wars: The Force Awakens
Ph: Film Frame
© 2014 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved..

Und dann kam sie, die Ankündigung, dass ein neuer StarWars-Film kommen sollte. Gebrannt durch die Erfahrung der letzten Filme waren die Erwartungen zunächst nicht existent. Aber dann sickerten so nach und nach Informationen durch, die mich dann doch aufhorchen ließen: George Lucas gibt StarWars aus der Hand, StarWars wechselt zu Disney, der Regisseur wird J.J. Abrams sein (und ja, ich liebe die StarTrek-Remakes), die alten Charaktere werden auftauchen und und und… Und schlussendlich war ich dann doch gehypet. Und jetzt isser da und ich war drin. Wie wars also?

Um’s kurz zu machen: Ich fand’s geil!

Ich saß im Kino und war über 2 Stunden lang bestens unterhalten und es gab nicht eine Stelle, an der ich gezuckt hätte aufgrund von Dingen, die mir nicht rund erschienen wären, die ich blöd oder überflüssig gefunden hätte. Selbst nach zweimal drüber schlafen gibt es echt wenig, was ich zu bemäkeln hätte. Ich werde trotzdem mal versuchen den Film kritisch zu begutachten.

Ach so, ich werde ab hier ein kleines bißchen spoilern, aber nicht so, dass es einem die Überraschung verdirbt. Weiter unten werden krassere Spoiler kommen, dann schreib ichs aber nochmal extra dazu! Ihr seid gewarnt!

———–!!!!AB HIER LEICHTE SPOILER!!!!———————

reyfinnbb8

Star Wars: The Force Awakens Ph: Film Frame © 2014 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved..

Auf der Pro Seite haben wir die neuen Hauptfiguren, als da wären auf der Seite der Guten: Rey (Daisy Ridley), eine junge taffe Schrottsammlerin, die auf einem Wüstenplaneten ihr Dasein fristet und noch sehr wenig bis garnichts von der Galaxis gesehen hat, Finn (John Boyega), ein Strumtruppler, der bei seinem ersten Einsatz desertiert, Poe Dameron (Oscar Isaac), ein meisterhafter Pilot des Widerstands und auf der Seite der Bösen haben wir allen voran das neue ikonische „Gesicht“ des Films und den neuen Bösewicht Kylo Ren, ein junger aufstrebender Schüler der dunklen Seite der Macht und glühender DarthVader-Fanboy. Und natürlich den neuen knuddeligen Droiden „BB8“, einer Art R2D2 2.0 der an Knuddeligkeit sogar Wall-E in den Schatten stellt und tatsächlich eine harte Konkurenz zu R2D2 darstellt.
Es muss wirklich erwähnt werden, dass keiner der neuen Figuren sich fehl am Platz anfühlt. Jeder Charakter wirkt wichtig und richtig in seiner Rolle, funktioniert und hat gute Wechselbeziehungen zu den jeweils anderen Figuren (etwas das in heutigen Blockbustern nicht mehr selbstverständlich ist). Eine kleine Ausnahme bildet Poe in diesem Zusammenhang, da er in diesem Film wirklich nicht viel mehr zu tun bekommt, als Raumschiffe zu fliegen. Ihn werden wir wohl in späteren Filmen mehr zu sehen bekommen. Warum, dazu gleich mehr im Spoiler Part!
Allgemein muss man anmerken, dass der neue StarWars wesentlich lustiger ist als alle vorherigen. Es ist natürlich keine Komödie geworden, aber es fällt schon auf, wie oft ich an diversen Stellen wirklich laut lachen musste. Auch das mag man kritisch sehen, es hat dem Film aber wie ich finde keinesfalls geschadet.

hanchewie

Star Wars: The Force Awakens Ph: Film Frame © 2014 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved..

Und dann ist da die Rückkehr der alten Figuren: Han Solo und Chewbacca, Prinzessin bzw. Generalin Leia Organa (die leider echt schlecht schauspielert) und, wenn auch nur ganz ganz kurz Luke Skywalker. Auch hier fühlt es sich richtig schön an, diese alten Haudegen wieder zu treffen. Gerade Han und Chewie die in diesem Film sogar etwas größere Rollen übernehmen dürfen sieht man sehr sehr gerne zu. Dennoch sind ihre Rollen klein genug um den neuen Figuren nicht das Licht zu stehlen. Alles sehr gut ausbalanciert wie ich finde.

Nun zur Optik: Der ganze Film sieht unfassbar gut aus. Klar stammt vieles aus dem Computer, aber wie von den Machern versprochen wurde wieder sehr viel mit Modellen und Puppen gearbeitet, was dem Ganzen einen wundervoll plastischen und realen Look verleiht. Wer jetzt nochmal die Episoden 1-3 deneben hält wird den Unterschied bemerken. Leider fallen dadurch die paar Figuren die tatsächlich zu 100% CGI sind negativ auf. Aber unterm Strich wirkt diese neue 30 Jahre gealterte StarWars-Welt sehr homogen und … echt, sofern man bei einem Universum wie diesem von echt sprechen kann. Sprangen wir in Ep. 1-3 ohne Sinn und Verstand wild von einem abgefahrenen Setting zum nächsten so wirken die Schauplätze hier deutlich geerdeter und durchdachter. Und manches Hintergrundbild beschert dem geneigten Fan eine wohlige Gänsehaut, wie zB. die Kulisse eines abgestürzten Sternenzerstörers.

zerstörer

Star Wars: The Force Awakens Ph: Film Frame © 2014 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved..

Apropos Fanservice: Davon hat der Film viel. Sehr viel! Manche würden sagen zu viel! Angefangen beim Auftauchen der alten Charaktere, über kleinere Anspielungen, Augenzwinkern in Richtung der alten Filme, Beantwortung von Fragen, die man sich evtl schon mal gestellt hat wie zB. „Was soll eigentlich Chewies Armbrust?“ etc. Das kann man jetzt als positiv oder negativ auslegen. Mich persönlich hat es nicht gestört. Allerdings geht die ganze Zitiererei mitunter so weit, dass ganze Szenen und Handlunsgstränge der alten Filme so sehr zitiert werden, dass es teilweise schon wie ein Remake wirkt (mehr dazu im Spoilerpart). Der ganze Film wirkt wie eine Entschuldigung für die vermurksten letzten drei Filme und bemüht sich, den Fans endlich das zu geben wonach sie seit 30 Jahren gieren – das alte StarWars im neuen Gewand. Find ich für diesen Film noch ok –  im nächsten muss dann aber ein bisschen mehr eigener Inhalt kommen.

Ab hier wird es schwer, ohne Spoiler weiterzumachen, deswegen lest nur weiter, wenn ihr den Film schon kennt oder euch Spoiler unerklärlicherweise egal sind. Also:

————- !!!!AB HIER KRASSE SPOILER!!!!————————-

Zum Thema alter Kram neu verwurstet kommt man natürlich nicht umhin, die neue Geheimwaffe des neuen Imperiums – jetzt „Erste Ordnung“ genannt – zu nennen: Den Todesstern! Ja genau! Schon wieder! Nur ist er jetzt 7mal so groß und heißt „Starkiller“ (ZwinkerZwinker). Hier verfällt der Film leider in den heute üblichen „Höher, schneller, weiter“-Modus. Und da muss man sich bei aller Freude an der Hommage schon fragen, ob die Leutchen vom Imperium nix besseres auf der Pfanne haben. Ich meine das Ding ist zwar mords riesig und zerbröselt ganze Sonnensysteme, hat aber immernoch exakt die gleichen Schwachstellen wie Todesstern 1.0 und 2.0 und ist immernoch genau so lausig bewacht. Immerhin wird dieser Umstand im Film auch schön von Han Solo angesprochen so nach dem Motto: „Aha, Todesstern! Ok, welche Schwachstellen hat er diesmal? Die haben ja immer eine!“ Und wieder hockt fast der gesamte Regierungsapparat der Bösen mitten drauf so dass man auch schön gleich alles auf einen Schlag wegpusten kann inklusive Bösewichte. Und warum überhaupt so einen riesen Trümmer bauen? (30 Jahre sind im Übrigen echt knapp um heimlich einen ganzen Planeten auszuhöhlen, so nebenbei.) Der alte Todesstern konnte doch auch schon auf Knopfdruck einen Planeten wegballern und war dabei noch beweglich. Und der hat nicht eine ganze Sonne als Energiequelle ausgelutscht. Na ja egal. Ich sehe das nach wie vor als Hommage auch wenn’s hart die Grenze zur Einfallslosigkeit schrammt.

Eine auf den zweiten Blick wirklich interessante Neuerung finde ich dagegen den neuen Mann im schwarzen Umhang. Kylo Ren (Adam Driver), der neue Träger des roten Laserschwerts und aufstrebender Jungbösewicht. Was zuerst für mich wie ein langweiliger Darth Vader-Abklatsch aussah, entpuppte sich schnell als interessantes Konzept wenn sich zeigt, dass Kylo Ren eben genau das ist: Ein Möchtegern Darth Vader. Sein geklauter Darth Vader-Look und das frisselige Mega-Laserschwert mit der Parierstange fanden von Anfang an ja alle doof – ich irgendwie auch. Aber mal drüber nachgedacht: Was macht denn ein junger verwirrter Sith-Wannebe der als Badass ernstgenommen werden will? Er bastelt sich eine pseudo-coole Vader-Gedächtnis-Maske und ein fettes Angeber-Schwert. In sofern passt das Ganze wieder sehr gut ins Bild wie ich finde. Allerdings habe auch ich kurz ungläubig geblinzelt als ich ihn das erste Mal ohne Maske sah. Er sieht nun mal so gar nicht cool und schon gar nicht Badass aus. Aber ich habe mich schnell mit der Figur arrangiert. Er sieht zwar aus wie ein junger Serverus Snape, erinnert mich aber stark an einen anderen Harry Potter-Charakter. Draco Malfoy! Beide Figuren fühlen sich der dunklen Seite verpflichtet, sind talentiert in ihren Künsten, eifern ihrem Dunklen Lord nach, lassen im Innern aber das letzte Quäntchen echte Bosheit vermissen um wirklich böse zu sein. Nicht jeder jähzornige Kotzbrocken ist auch automatisch böse!

Ok, allerletzte SPOILERWARNUNG jetzt!

kylo2

Star Wars: The Force Awakens Ph: Film Frame © 2014 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved..

Und beide, Draco Malfoy und Kylo Ren stehen irgendwann vor der Aufgabe, quasi als Feuertaufe einen Repräsentanten der Guten um die Ecke zu bringen. Was im Falle von Kylo Ren ja auch tatsächlich funktioniert! *Seufz* Er hat es tatsächlich getan, der kleine Pisser. Er hat allen Ernstes eine der beliebtesten Ikonen der Popkultur getötet. Han Solo, Captain des „Rasenden Falken“, Weltraumpirat, Wookietreiber, Schurke und Flieger-Ass … ist tot!!! Es hat ein bißchen gedauert bis ich mir im Klaren war, wie ich das jetzt finden soll. Aber nachdem es etwas gesackt ist muss ich sagen: Es ist ok! Nicht schön, aber ok! Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass Han und Chewie bis in alle Ewigkeit durchs Weltall düsen können, aber um es realistisch zu sehen: Harrison Ford ist jetzt 74 Jahre alt!!! Er macht in diesem letzten Auftritt in Episode 7 noch eine recht gute Figur als rüstiger Weltall-Harlunke, aber wie lange hätte er das noch machen wollen/können? In so fern musste man die Rolle auf die eine oder andere Weise aus der Geschichte rausschreiben, denn umbesetzen kann man ihn ja wohl nicht (ebensowenig wie Indiana Jones). Und so wie es passierte liefert Hans Tod immerhin ein wichtiges Teil zu Kylo Rens Charakter: Man lernt ihn hassen!!!KyloRen
Ich finde Kylo Ren, so uncool er auf den ersten Blick wirken mag, birgt das Potenzial für einen echt guten Bösewicht, wenn man es richtig anstellt. Denn mal ehrlich, Darth Vader, der Imperator, Darth Maul und alle anderen Darths dazwischen waren im Wesentlichen … böse. Punkt! Das war ihre Motivation für Tod und Zerstörung. Aber aus Kylo Ren könnte ein Bösewicht werden, der aus Trotz, aus Größenwahn, aus falschen Stolz, aus Geltungssucht handelt. Einer der, anders als Darth Vader, seinem Meister lächelnd das Laserschwert in den Rücken sticht um seinen Platz zu erobern. Einer der die Macht ergreift nur um zu zeigen, dass er’s drauf hat. Und wenn ich mir so ansehe, in welche Richtung sich das Imperium aka „Die erste Ordnung“ gerade bewegt vermute ich, dass es genau so kommen wird. Ich bin gespannt.

———-SPOILER ENDE!——————

Ich glaube ich komm jetzt mal zum Ende. Ich könnte jetzt noch stundenlang über alle möglichen Sachen schwafeln: Über den neuen unnötig CGI-seienden Oberbösen, über diverse Zitate, Gags und neue Figuren, über das neue Imperium mit Nazi-Anleihen, über treffsichere Sturmtruppler, über echt geile weil realistisch wirkende Laserschwert-Kämpfe…, aber ich denke ich höre an dieser Stelle mal auf und sage: Der Auftakt zur neuen StarWars Trilogie hat mich völlig überzeugt. Der Film entschädigt für den Murks den Lucas mit Episode 1-3 verzapft hat, schenkt den alten Fans eine großzügige Portion Daumen_TollNostalgie und führt das ganze geschickt auf eine neue Schiene, auf der man mit neuen interessanten Charakteren weiter in diverse neue Episoden starten kann. Es ist weiß Gott kein perfekter Film, aber Hey, das hat ja wohl wirklich keiner erwartet, oder? Genausowenig revolutioniert er das Kino in irgendeiner Form, wie es Episode 4 einst tat, aber das ist in der heutigen Zeit auch echt zu viel verlangt egal für welchen Film. Und mit ein paar verschmerzbaren Schönheitsfehlerchen reiht sich „StarWars – Episode 7 – Das Erwachen der Macht“ prima in die Riege der alten Filme ein, die waren schließlich auch genau das: Nicht 100% perfekt, aber geil!

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